Die sprachlichen Eigenheiten der Ticos

In Costa Rica erleben von Redaktion Costa RicaSchreibe einen Kommentar

Pura vida, mae! Mit seinem Spanisch aus der Schule kommt man in Costa Rica zwar gut durch, doch wird man hier das eine oder andere Mal aufgrund des in Spanien typischen Sprachgebrauchs komisch angeschaut. Doch genauso wirst du die Ticos schräg ansehen, wenn diese ihre typisch Costa Ricanischen Wörter auspacken.

Ticos und ihr Spitzname

Die Costa Ricaner werden von den anderen Lateinamerikanischen Ländern liebevoll Ticos genannt, da ein reger Gebrauch einer speziellen Version des Diminutivs charakteristisch für sie ist. Aus „chico“ wird „chiquitico“; aus „gato“ wird „gatico“. Ticos ist hierbei die Bezeichnung für die Allgemeinheit, Tica beschreibt die weibliche Version von Tico, so wie viele spanische Wörter diese Unterscheidung machen. Die Ticos selber haben den Spitznamen adoptiert und tragen ihn mit Stolz.

Die Höflichkeitsform

Eine weitere Eigenheit der Costa Ricaner ist der Gebrauch von „usted“ (Sie), wie wir es als Höflichkeitsform kennen, in der alltäglichen Sprache. Auch die Eltern und Familienmitglieder werden mit „usted“ angeredet. Das „tú“ (du) aus Spanien und anderen spanischsprachigen Ländern existiert in Costa Rica nicht und wird misstrauisch beäugt. Die Höflichkeitsform wird hier nicht als rein formaler Sprachgebrauch betrachtet, sondern gilt als ganz normale Ansprache aller möglichen Personen. Damit ist Costa Rica fast das einzige Land in Lateinamerika, das auf diese Eigenart besteht. Wer sich nicht ganz damit anfreunden kann, der darf Personen, die einem besonders nahe stehen, wie dem Partner oder engen Freunden, mit „vos“ anreden. Diese Form ist eine Art Costa Ricanisches Equivalent des Dus.

Pura vida als Antwort auf alles

Die Ticos verstehen sich mit wenigen Worten. „Pura vida“ ist nicht nur ein Lifestyle, sondern ein ganzer Konversationsfaden. Man glaubt, es sei ein Klischee, bevor man die Costa Ricaner tatsächlich kennenlernt. Sie können ein vollständiges Gespräch mit nur diesen beiden Worten führen. „Pura vida!“ als Konversationsstarter kann so viel heißen wie „Hallo“, „Wie geht’s?“ oder „Schön, dich zu sehen!“. Darauf kann ebenfalls mit „Pura vida!“ geantwortet werden, womit der Gesprächspartner die Begrüßung entgegennimmt und zurückspielt. Auch an der Kasse vom Supermarkt kommen die beiden Wörter einem öfter als „Bitte!“ oder „Danke!“ über die Lippen. Die Möglichkeiten sind unendlich und variieren je nach Betonung. Die Costa Ricaner leben „Pura vida“.

Mae – das wohl meistverwendete Wort

Jeder zweite Satz in der Umgangssprache endet in Costa Rica mit „mae“. Das bedeutet im Englischen so etwas wie „dude“ und im Deutschen zu viel wie „man“ oder „Alter“. Vor allem in jüngeren Kreisen fällt dieses Wort unzählige Male. Es verleiht dem Gesagten den gewünschten Ausdruck. Ticos sind große Geschichtenerzähler – „Mae“ dramatisiert das Erzählte noch zusätzlich und lässt eine freundschaftliche Grundstimmung aufkommen.

A cachete, tuanis, chiva

Da Costa Ricaner es lieben, Geschichten zu erzählen, haben sie eigene Wörter dafür erfunden, auszudrücken, wie toll eine Sache ist. „A cachete“ bedeutet dabei so viel wie „alles haben“ und spielt darauf an, dass etwas so besonders ist, dass es alles Schöne vereint. Im digitalen Sprachgebrauch, wie über das Smartphone, wird der Ausdruck gerne wie folgt abgekürzt: „aka7“, da es der Aussprache der spanischen 7 ähnelt. „Tuanis“ und „chiva“ sind zwei weitere Wörter, die oft ausgerufen werden. „Qué chiva, mae!“ unterstreicht, „wie toll“ etwas ist und wie sehr sich die Person darüber freut.

Der eigene Sprachgebrauch der Ticos lässt sich noch unendlich ausweiten. Aber mit diesen wichtigsten Wörtern wirst du im Alltag sehr gut klarkommen. Die Costa Ricaner sprechen im Vergleich zu anderen spanischsprachigen Ländern ein sehr klares und langsames Spanisch und können in den meisten Fällen – und besonders in den Touristenregionen – auch englisch. Es gibt also keine Sorge, sich nicht mit den Ticos verständigen zu können.
Im Zweifelsfall reicht allemal ein freundliches „Pura vida!“.

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