Ein Stück Geschichte Costa Ricas

In Costa Rica erleben von GiuliaSchreibe einen Kommentar

Die einstige Vernachlässigung durch die Spanier hat sich als Glücksfall erwiesen.

Das mit Abstand auffälligste Merkmal der aktuellen Gesellschaft Costa Ricas ist sicherlich deren ethnische und rassische Vielfalt. In dem nur gut 51.000 km² großen Land im Herzen Mittelamerikas und unter den zurzeit etwas mehr als 5 Millionen Einwohnern, finden sich sämtliche Hautfarben sowie deren Abstufungen und Schattierungen wieder. Historisch betrachtet sorgte Costa Ricas geografische Lage und relativ weite Entfernung von den Machtzentren der spanischen Kolonialherren in Mexiko und den Anden, sowie die Nichtexistenz von Gold und Silber, für Isolation und Armut. Das gesamte Gebiet war für die Spanier wirtschaftlich weitgehend uninteressant und wurde somit wenig beachtet und gefördert, was wiederum die Ausprägung eines eigenständigen Nationalbewusstseins begünstigte. Die Abwesenheit einer reichen Oberschicht wie auch einer indigenen Population, die als Sklaven missbraucht werden konnten, sorgte für die Entstehung einer egalitären Gesellschaft, in der sogar der Gouverneur sein Obst und Gemüse selbst anpflanzen musste. Anders als in den heutigen Nachbarstaaten Nicaragua und Panama gab und gibt es in Costa Rica bis heute nur wenig rassistische Vorurteile und Unterdrückung.

„100% Ticos Pura Vida“: das typische Lebensgefühl der glücklichen Einwohner

Somit kam es bereits im frühen 19. Jahrhundert zu einer weitreichenden Durchmischung der einheimischen Bevölkerung aus europäischen und asiatischen Einwanderern, Kariben sowie ehemaligen afrikanischen Sklaven. Etwa zur selben Zeit verbreitete sich auch der Ausdruck „Costarrica“ bzw. „costarricense“ als Bezeichnung für die Bewohner des Landes. Bekannt wurde das Wort vor allem durch die Briefe aus dem späteren Exil des einstigen Staatschefs Braulio Evaristo Carrillo Colina. Diese erste Eigenbezeichnung wurde ab dem „Filibusterkrieg“ von 1856 bis 1867 zwischen Costa Rica und einer US-amerikanischen Söldnerarmee vom Ausdruck „Tico“ abgelöst, der sich von der gegenseitigen Anrede der Soldaten untereinander als „hermaniticos“ (Brüderchen) ableitete. Die Silbe „-ic-“ wird statt dem im Spanischen sonst üblichen „-it-“ bis heute als wohlwollend besetzte und gemeinte Verkleinerungsform an zahlreiche Worte sowohl in Costa Rica als auch in ganz Mittel- und Südamerika angehängt. Inhaltlich steht „Tico“ dabei als stolze Selbstbezeichnung der Einheimischen für Aufrichtigkeit, Friedlichkeit und Fleiß. Das geflügelte Wort wird auch oft und gerne mit dem gleichermaßen häufig genutzten Ausdruck „Pura Vida“ (pures Leben) für Wohlergehen, Freude, Glück und Zufriedenheit kombiniert.

Costa Rica Tipps: Die Eigensicht ist mit „klein, aber oho“ gut beschreibbar

Als entscheidende, wichtige und konstituierende Bestandteile der nationalen Identität der „Ticos“ werden von diesen selbst wie auch von ausländischen Beobachtern vor allem die Eigenschaften Pazifismus, Freiheitswille, Gleichheit, Mut, Solidarität sowie Freundschaft und Humor genannt. Man versteht sich generell als sehr stark verbunden mit der überaus reizvollen Natur des Landes, sieht sich gerne als kleiner, aber entschlossener „David“, der es jederzeit mit dem eigentlich stärkeren „Goliath“ aufnimmt und schätzt auch Satire, Spott und Ironie. Mitunter drückt sich der Stolz auf die anerkannt hohe Lebensqualität im Land in einer leichten Arroganz gegenüber den Nachbarstaaten aus, in denen die Umstände eben leider nicht ganz so perfekt sind wie zu Hause. Als wichtige Costa Rica Tipps für Besucher gelten somit Respekt und Rücksicht auf den deutlich ausgeprägten, aber auch durchaus begründeten und letztlich humanistisch orientierten Patriotismus vor Ort. Die „Ticos“ fühlen sich gelegentlich auch als von Gott geliebtes und geschütztes Land, welches anders als seine Nachbarn von Krisen, Kriegen und Naturkatastrophen weitgehend verschont wurde.

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